Lernlust statt Lernfrust: die Ermöglichungsdidaktik


 

Wir Menschen kommen von Grund auf lernbegierig auf die Welt. Wie sonst hätten wir uns im Laufe der Evolution in dieser Weise entwickeln können. Kleine Kinder wollen lernen, um an der Welt der Erwachsenen teilhaben zu können. Lernen, sich zu drehen, zu setzen, zu sprechen, zu laufen. Sie stellen Fragen und wollen wissen, warum dies und jenes so ist, wie es ist.

Irgendwann passiert dann etwas, das vielen den Spaß am Lernen nimmt:
Die Einschulung…

 

Mit der Einschulung wird Lernen zur Pflicht

Abfragbares Wissen wird plötzlich wichtiger als Lernen aus Interesse und zum Ziel des Anwendens und Entwickelns. Auch der oft zitierte Spruch: „du lernst nicht für den Lehrer, sondern für dich“, scheint in Anbetracht der bestehenden Strukturen und der Bewertungskultur des Schulsystems nicht nachvollziehbar und glaubhaft.

Lernen wird zur Pflicht, Wissen wichtiger als Können, individuelle Interessen und Stärken gehen in der Masse der geforderten Leistungen unter. Oftmals ist man bei den Bewertungen und Einstufungen der Willkür und Gunst der Lehrer ausgesetzt…

 

Lernen im Erwachsenenalter

Nicht selten überlagern diese negativen Lernerlebnisse die positiven Lernerfahrungen der frühen Kindheit. Ein Hintergrund, mit dem Erwachsenenbildner und Trainer in Ihrer Arbeit umgehen müssen.

Gerade in der Erwachsenenbildung sowie der beruflichen Weiterbildung geht es darum zu lehren, ohne zu be-lehren. Sehr schnell verlieren nämlich auch Erwachsene sonst das Interesse an einem eigentlich spannenden und wichtigen Thema. Erwachsene sind kritische Lerner und wägen ab, für welche Lernthemen sie unter welchen Lernbedingungen ihre Zeit und Energie einsetzen.

 

Die Ermöglichungsdidaktik als Lösung

Auf der Didacta 2014 hatte ich die Gelegenheit, einen Vortrag von Rolf Arnold zu hören. Arnold hat die sog. Ermöglichungsdidaktik geprägt, deren Prinzipien die Selbstbestimmung und Selbststeuerung im Lernprozess sind. In diesem Ansatz wird das von außen bestimmte und gesteuerte Lernen kritisiert.

Arnold_Didacta_Ermoeglichungsdidaktik

 

Löst YouTube das Bildungssystem ab?

Arnold beanstandete in seinem Vortrag, dass unsere Gesellschaft Schulsysteme entwickelt hat, die Menschen aus der Lernfähigkeit herausbringen. Er fordert Lernsysteme, in denen sich die Lernenden als selbstwirksam und selbstbestimmt erfahren. Lernen soll erlebnisorientiert, kooperativ, und eigenständig erfolgen. Der Fokus soll weggehen von der reinen Inhaltorientierung und hin zur Förderung der Lernenden. Wenn demnächst die Wissensaneignung nur noch auf YouTube stattfinden würde, dann hätte das Bildungssystem endgültig versagt, so Arnold. Ein Umdenken sei nicht von Seiten der Lernenden nötig, sondern von Seiten der Lehrpersonen.

Ich möchte anmerken, dass der Vergleich mit YouTube kein Scherz ist. Die Wissensaneignung dort ist geprägt durch Selbständigkeit und Freiwilligkeit. Es tümmelt sich dort sicher viel Unterhaltung und fragwürdiger Inhalt, aber auch eine große Menge an Wissen.

 

Aneignen und Erleben als Kernbegriffe

Aneignen und Erleben sind die Kernbegriffe der Ermöglichungsdidaktik: Lerninhalte können nicht von Lehrpersonen vermittelt, sondern nur von den Lernenden angeeignet werden. Dann sind Lerneindrücke nachhaltig und enden in einem anwendbaren Können.

Dabei gibt die Ermöglichungsdidaktik folgende Leitlinien an:

  • Förderung und Forderung der Selbstlernkompetenzen
  • Gestaltung anwendungsbezogener Zugänge zum Lerninhalt
  • Bereitstellen kooperativer und interaktiver Lernsituationen
  • Anwenden und Üben
  • Anstoßen von Reflexion und Kritik
  • Anregen positiver Emotionen in der Lernsituation

Und eben nicht belehrende Frontalbeschallung!

 

Geht das denn und bringt das wirklich was?

Es geht und es bringt sehr viel! Eine Dozentin während meines Studiums hat ihre Veranstaltungen nach eben diesen Prinzipien geplant und durchgeführt. Sie ist nicht nur mein absolutes Vorbild für optimale Lehre geworden, sondern die von ihr arrangierten Lerninhalte sind mir bis heute präsent geblieben.

In meinen eigenen Seminaren bekomme ich das Feedback, dass meine Teilnehmer viel Spaß haben und trotzdem unglaublich viel lernen. Darüber sind sie in der Tat überrascht. Ich nicht, denn ich bin überzeugt, dass sie viel lernen WEIL sie Spaß dabei haben 🙂

 

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Habe ich Ihr Interesse geweckt? Sie möchten mehr darüber erfahren, wie Sie die Ermöglichungsdidaktik in der Konzeption von Seminaren berücksichtigen? Dann nehmen Sie gerne >Kontakt mit mir auf.

Ich freue mich über einen Kommentar!