Facebook Pro – Bericht und Fazit 2


Facebook_Pro_Beitragsbild

Facebook hat nach München geladen. Unter dem Motto „Dein Unternehmen, Deine Zukunft fand die diesjährige Facebook Pro Veranstaltung speziell für kleine und mittlere Unternehmen erstmals in München statt. Was die Großen vormachen ist auch für die Kleineren möglich: Facebook gewinnbringend für Unternehmenskommunikation und Marketing einsetzen. Hierfür sollte es Tipps und Best-Practice-Beispiele geben. Für mein eigenes Unternehmen, aber vor allem um für meine Kunden aktuell informiert zu sein, habe ich also die Reise nach München angetreten.

 

Wollen Sie auch zu Facebook?

In München angekommen lerne ich schon am Bahnhof eine Unternehmerin kennen, die ebenfalls zur Veranstaltung will. „Wollen Sie auch zu Facebook?“ spricht sie mich an, als ich einen Mann nach der S-Bahn zu den Eisbach-Studios frage. Also fahren wir gemeinsam hin. Erst mit der Bahn und dann mit dem von Facebook eigens für die Besucher bereitgestellten Shuttle-Bus. Ich erfahre, dass die Unternehmerin von Facebook angeschrieben und eingeladen wurde. Sie ist selbständige Psychologin, die außer Therapiegesprächen auch Seminare zur Persönlichkeitsentwicklung anbietet. Neuerdings bietet sie Online-Seminare an, die sie über Facebook bekannt machen möchte. Sie hat eine Fanpage und schaltet Werbung. Allerdings ist sie bisher mit dem Resultat nicht zufrieden. Direkt bin ich im Beratungsmodus und frage sie nach ihrer Strategie. Die Zielgruppeneingrenzung beim Werben beschränkt sich auf die Auswahl „alle von 18-60“. Über meine Aussage, dass man die Zielgruppenauswahl wesentlich spezifischer und zielführender bestimmen kann, ist sie sehr verwundert. Von der Facebook Pro Veranstaltung erhofft sie sich, danach besser zu verstehen und zu wissen, wie sie ihre Zielgruppe erreichen kann. Zunächst trennen sich unsere Wege nach der Ankunft in den Eisbach Studios.

 

Ablaufplan der Veranstaltung

Am Eingang werde ich begrüßt, in der Gästeliste abgehakt und bekomme Namensschild und Ablaufplan ausgehändigt. Sieht vielversprechend aus:

  • Begrüßung und Eröffnungsrede
  • Dein Unternehmen. Deine Zukunft
  • Bausteine für echten Geschäftserfolg
  • Kreativität auf Facebook. Drei Schritte zum besseren Content
  • Podiumsdiskussion mit erfolgreichen Unternehmen
  • Networking und 1:1 Gespräche

 

Zielgruppe der Veranstaltung

Im Laufe der Veranstaltung denke ich immer wieder an meine Shuttle-Bus-Begleiterin. Ich versuche zu erfassen, wie die Themen der Veranstaltung auf sie wirken und welchen Nutzen sie für sich und ihr kleines Unternehmen ziehen kann. Sie spiegelt absolut die Zielgruppe der Veranstaltung wieder: Kleine und mittlere Unternehmen, die ihre Werbeaktivitäten auf Facebook verbessern wollen. Leider komme ich zu dem Fazit, dass die Veranstaltung der Dame unterm Strich nicht die erhofften Erkenntnisse gebracht hat. Warum? Zur Erklärung möchte ich Pro und Contra der Veranstaltung aufführen.

 

Facebook_Pro_Impressionen

 

Pro:

Klare Fakten

„Gehen sie mit der Zeit – sonst gehen Sie mit der Zeit“ war die Aussage von Franc Hagel (Bundesverband der mittelständigen Wirtschaft , Leiter der Wirtschaftsregion Bayern).  Dem kann ich nur zustimmen. Die Wichtigkeit der Sozialen Medien und die Digitalisierung unserer Lebenswelt sind Fakten, kein vorübergehendes ´Übel´, das man irgendwie ´wegatmen´ kann, wenn man nur lange genug ausharrt. Wer als Unternehmer noch mal abwarten will, wie sich das alles so entwickelt und ob das so bleibt wird viel aufholen müssen oder eben den Vorsprung der anderen nicht mehr aufholen können.

 

Echte Menschen

Es gab 4 Best-Practice Beispiele von Unternehmen, die Facebook erfolgreich und gewinnbringend einsetzen. Besonders erwähnenswert ist hierbei ein Frisörmeister. Durch einen Umzug und komplettes Neudesign seines Markenauftritts gab es bei vielen Kunden eine Hemmschwelle, den Laden zu betreten. „Das kann ich mir eh nicht leisten“ fürchteten viele. So wurde Facebook genutzt, um einen Blick hinter die Kulissen zu gewähren. Mit der Rubrik „Salongeflüster“ zeigte der Haardesigner, dass im neu gestylten Atelier sympathische Menschen arbeiten, um die Kunden glücklich und schön zu machen. Ebenso wurden die Mitarbeiter in die Facebook-Kommunikation mit eingebunden. Es wurde authentisch gezeigt, dass das Team sich wohlfühlt und gewertschätzt fühlt. Der Plan ging auf: Der Umsatz konnte verdoppelt werden und 8 neue Mitarbeiter kamen aufgrund von Facebook zum Team dazu. Fachkräftemangel im Handwerk? Nicht überall!

 

Kreative Tipps

Besonders gefallen hat mir der Kurzvortrag von Jonas Thaysen (Creative Strategist bei Facebook). Zur Frage „was gehört zu einer erfolgreichen Kampagne auf Facebook?“ bekamen wir hilfreiche Tipps zu Konzept, Gestaltung und Text. Besonders zielführend fand ich die Tipps zu Bildern und Grafiken und die Aussage „respektiert die Menschen, für die ihr die Fotos macht und bereitstellt. Ihr würdet auch keine unscharfen, langweiligen oder lieblos gekauften Fotos sehen wollen“

Eindrucksvoll und nachvollziehbar auch die Aussage „Facebook ist eine Dinner Party. Wer dort ist, möchte Spaß, interessante Neuigkeiten austauschen und eine entspannte Atmosphäre. Ihre Aufgabe als Werbetreibender ist es, diese Party nicht zu stören, sondern zu bereichern“.

Eine wunderbare Metapher! Wie das denn nun geht, muss jeder allerdings für seine Sparte und Zielgruppe herausfinden und testen.

 

Das Facebook-Feeling

Das gesamte Ambiente und auch die Bühnen-Präsentation waren sehr ansprechend. Ich wurde am Empfang begrüßt und fühlte mich durchgehend umsorgt. Trend-Getränke und Häppchen standen kostenfrei bereit. Ausgestattet mit Facebook-Anhänger, Kugelschreiber und Block fühlte ich mich in der durchgehend blauen Beleuchtung als Teil des blauen Ganzen. Die mitreißenden Ansprachen und der  anrührende Imagefilm taten ihr Übriges. So kam es dazu, dass auch ich mich euphorisch vor der Facebook-Wand fotografieren ließ. Man schwamm auf der blauen gute Laune Welle mit, gehörte dazu, fotografierte sich gegenseitig und kam ins Gespräch. Klar wird das Bild auf Facebook geteilt … Ganz nebenbei wir man zum Markenbotschafter. Clever 😉

 

 

Contra:

Alles unter einem Hut?

Wenn ich in den Reihen der Teilnehmenden so umschaute, sah ich eine bunte Mischung. Von blutjung bis ganz schön alt war alles vertreten. Ebenso vielseitig war die Medienaffinität. Es gab mit ihrem Smartphone Verwachsene, die die Vorträge in Echtzeit auf Twitter zusammenfassten.  Einige bekannte Gesichter aus der Socialmedia- bzw. Online-Beratung waren auch da. Ebenso sah ich aber auch die ausgeschriebene Zielgruppe, nämlich Unternehmer. Und diese waren teilweise weit entfernt davon, begeisterte Mediennutzer zu sein.  Für mich kam die Frage auf, für wen denn diese Informationsveranstaltung denn eigentlich konzipiert wurde? Oder sollten mal ganz einfach alle unter einen Hut gefasst werden und jeder sich sein passendes Häppchen an Information mitnehmen? Bei solch einer Mischkalkulation kann es schnell passieren, dass sich die einen langweilen und die anderen überfordert sind.

 

Fachchinesisch für Laien?

Cross Device Reporting, Conversion Tracking; Custom Audience … Diese und weitere Begriffe wurden eifrig um sich geworfen und –wenn überhaupt- unzureichend erklärt. Wir erinnern uns: die Veranstaltung war für KMU und nicht für Marketingfachleute ausgeschrieben. Hier muss ich klar kritisieren, dass die eigentliche Zielgruppe aus den Augen verloren wurde. Immer wieder musste ich an die anfangs erwähnte Unternehmerin denken, die sich Klarheit und konkrete Vorgehensweisen gewünscht hatte. Mit diesem Fachchinesich können zweifelnde und unsichere Facebook-Nutzer leicht verschreckt werden.

 

In der Kürze liegt die Würze?

Einerseits ja. Andererseits hätte ich mir gewünscht, dass einige Punkte intensiver beleuchtet worden wären. Durch das schnelle Abhandeln wichtiger Themen konnte der Beigeschmack aufkommen, dass es sich um eine reine Werbeveranstaltung handelt, die den Unternehmen die Relevanz einer Facebook-Präsenz und dem Schalten von Werbung näherbringt.

 

 

Mein persönliches Fazit

Für mich war die Veranstaltung sehr interessant.  Ich habe mal wieder verdeutlicht bekommen, wie wichtig bei Veranstaltungen eine klare Zielgruppendefinierung ist und dass Informations- und Weiterbildungsangebote keine Eierlegende-Wollmilch-Säue für alle sein können. Inhaltlich/Fachlich konnte ich Einiges mitnehmen, habe neue Ideen bekommen und es genossen, auf der blauen Gute-Laune-Welle mit zu surfen. Besondere Freude machte mir das Netzwerken und Treffen von Gleichgesinnten. So lernte ich Christine Pfeil, die Inhaberin von Social Media Bayern, persönlich kennen. Bisher war unser Kontakt nur über Facebook, Skype oder Telefon. Hier hat sich mal wieder gezeigt, dass man die Authentizität eines Menschen auch in der Online-Kommunikation erkennen kann. Christine ist real genauso sympathisch und erfrischend wie digital. Ebenso freute ich mich, Cathrin Tusche kennenzulernen. Sie ist die Autorin des frisch im O’Reilly Verlag erschienenen Buches >Das Google Analytics-Buch.

Ach ja … und außerdem habe ich noch einen Tag drangehängt, um mir München anzuschauen. Also ein rundum lohnenswerter Kurzausflug.

 


Ich freue mich über einen Kommentar!

2 Gedanken zu “Facebook Pro – Bericht und Fazit

  • Fräulein Muster

    Schönen Vormittag meine Liebe,

    ein richtig toller & informativer Beitrag. Ich denke bei so einigen Begriffen wären in meinem Kopf auch nur große Fragezeichen gewesen. Eine andere Einteilung wäre da vielleicht schon von Vorteil gewesen. So haben sich einige vielleicht gelangweilt und manche gar nicht richtig verstanden um was es jetzt geht !?
    Das Bespiel mit den Friseurladen finde ich klasse und am besten hat mir das Beispiel mit der Dinner Party gefallen.
    Es ist eh wirklich so denn Facebook ist eine Party und du musst deine Gäste unterhalten & sie einbinden. Du musst mal Drinks ausgeben und darauf achten was sie am Liebsten mögen. Mit der Zeit bekommst du dafür schon ein bisschen ein Gespür. Jedenfalls darfst du nicht streng bei deiner Linie bleiben wenn die nicht ankommt, man muss sich einfach auch auf seine Gäste eingehen und auf ihre Wünsche & Bedürfnisse denn sonst sind sie weg. Man muss sich um sie kümmern & ihnen das geben was sie gern haben.
    Freut mich sehr, dass du so nette Menschen persönlich kennengelernt hast & dein Aufhalt noch etwas länger angedauert hat.
    München ist einfach herrlich & sehenswert.

    Liebste Grüße Heike

    • Iris Brucker Autor des Beitrags

      Hallo liebe Heike,

      vielen Dank für deinen Kommentar. Du bringst absolut auf den Punkt, was eine erfolgreiche Dinnerparty ausmacht.
      Vor allem gefällt mir das Einbinden der Gäste und, dass man nicht streng bei seiner Linie bleiben darf.
      Der Erfolg gibt dir ja recht: du hast einen wunderbaren Blog und eine super laufende Facebook-Seite.

      Ganz liebe Grüße,
      Iris